Zur Psychologie des Glücks

Glück als Moment der Ewigkeit

Fahrrad am Schuppen

Foto: Unsplash / pixabay.com

Autor David Glaser

David Glaser

Aussagen wie “Jeder ist seines Glückes Schmied”, sagen im Grunde: Es liegt in deiner Kontrolle, es ist “machbar” glücklich zu sein und der Weg zum Glück ist ein Prozess, der vielleicht sogar einmalig stattfindet. In der Gestalt des Schmiedes, der rohe Materialien bis zu ihrer Vollendung fertigt, unterstellt die Aussage der Glückssuche, dass diese zielgerichtet ist und das Glück im Grunde letztendlich eine sehr klare Gestalt hat. Auch der Begriff “Glück” kommt ursprünglich vom mittelniederdeutschen “Gelücke” und bedeutet den günstigen Ausgang eines Ereignisses.

Gleichzeitig erreichen wir oft die Dinge, nach denen wir uns sehnen und stellen beim Erreichen fest, dass dieser glückliche Moment des Ziels nur von kurzer Dauer ist, wir uns unverhofft langweilen und der Weg dorthin viel aufregender war. Wir versuchen die Tätigkeiten oder Situationen im Alltag abzuschließen, sie uns “rund” zu machen, dabei suchen wir auch ständig danach, die Gegebenheiten wieder aufzubrechen.

Die ewige Suche nach dem Status-Glück

Genau so ist es mit der Suche nach DEM Glück: Wir erwarten, dass das Glück ein dauerhafter Zustand am Ende einer Reise ist, bei dem wir uns nur programmatisch an alle Studien/ Empfehlungen zu dem Thema halten müssen, um es zu erreichen. Am Ende soll das reine Glück in Abstinenz vom Unglück stehen.

Große Studien zum Thema Glücks stellen immer wieder folgende Einflussfaktoren auf unser Glück auf:

  1. Eine enge soziale Bindung
  2. Physische, mentale und finanzielle Gesundheit
  3. Eine sinnvolle Beschäftigung

Es fällt auf, dass das Glück nicht in der Veränderungen zu liegen scheint, sondern eher im Status. Es heißt ja schließlich nicht:

  1. Das Streben nach einer engen sozialen Bindung,
  2. das Arbeiten an physischer, mentaler und finanzieller Gesundheit
  3. und die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung

machen uns glücklich. Dabei scheint das “Status-Glück” durch die Medien so sehr heraus gestellt, dass man sich fragen muss, ob das Glück nicht gerade auch in der Veränderung liegt.

“Glück zeigt sich nicht, wenn man es provoziert. Man muss wachsam und aufmerksam sein, um es zu entdecken und für sich zu nutzen. Ich bin auch der Meinung, dass man nicht dauerhaft glücklich sein kann.” Aus dem Erlebensbericht von A.

Schon Konfuzius sagte: „Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.” Was den Übergang zwischen dem “Status-Glück” und dem Glück im Übergang deutlich macht. Liegt das Glück in der Veränderung selber oder ist es das, was durch die Veränderung ent-steht?

Das unverhoffte, flüchtige Glück des Moments

Vom Glück wird auch als etwas gesprochen, was nur in kurzen Momenten zu erleben ist. Etwas was nur auf einen zukommt, wenn wir es nicht direkt anstreben, da wir sonst unempfänglich dafür sind. Glück kann genau so alltäglich sein, wie es auch das höchste und nicht alltägliche aller Gefühle zu sein scheint.

“Aber wenn man so hinter dem Glück her rennt, dann glaube ich eher, dass es vor einem wegläuft. Ich bin eher der Meinung, dass das Glück kommt, wenn man Zeit hat.” Aus dem Erlebensbericht von E.

Glück zeigt sich auch oft dann, wenn die Situation denkbar unglücklich ist und keine Hoffnung auf Glück besteht. Es hat damit auch etwas omnipräsentes und scheint dann für uns eine reine Einstellungssache zu sein.

Zwischen unabhängiger Einstellung und Extase

Auf der einen Seite scheint das Glücksempfinden eine Ein-Stellungssache zu sein mit der wir, selbst in den abstrusesten Situation Glück wahrnehmen können. Das Glück scheint dann eher ins uns zu finden zu sein, als in der Situation in der wir uns gerade befinden. Wir fühlen uns dann wirklich wie der Schmied des eigenen Glücks und weitesgehend unabhängig.

„Zum Großteil ist mein Glück ein Prozess der in meinem Inneren abläuft, das aber nur im Kontakt zu anderen Menschen aufblühen kann. Es beruht ähnlich wie das Prinzip vom Geben und Nehmen, auf Gegenseitigkeit.“ Aus dem Erlebensbericht von Die Glückliche

Auf der anderen Seite fühlen wir uns in Glücksmomenten losgelöst von allen realen Bezügen. Wir erleben dann den Moment nicht mehr als ein Nacheinander von Ereignissen, sondern als Ewigkeit. Das Unmögliche wird möglich, wir sind außer uns und können das Glück meistens gar nicht ertragen ohne es mit anderen zu teilen.

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