Die Psychologie des Kurfürstendamms

Der Berliner Laufsteg mit Verwandlungsoptionen

Die Psychologie des Kurfürstendamms in Berlin @ David Glaser

Der Kurfürstendamm in Berlin @ David Glaser

Frederic Gogoll

Frederic Gogoll

Nach der Schlossstraße in Berlin mit 10.225 Passanten pro Stunde und der Tauentzienstraße (8.390), ist der Kurfürstendamm (Ku´damm) mit 7.015 Passanten pro Stunde auf dem 21. Platz der belebtesten Einkaufsmeilen in Deutschland 2013. (Quelle: Jones Lang LaSalle)

Der Ku´damm feierte 2011 seinen 125ten Geburtstag – Ganz schön alt, dies ist auch das Gefühl was sich bei einem Besuch am Ku´Damm unweigerlich einstellt. Modern ist das dort nicht, es ist Tradition mit den Berlintouristen also Freunden und Bekannten, die einen besuchen, mindestens einmal über den Ku´damm zu flanieren.

1 Minute Impressionen zum Kurfürstendamm

Das Ganze, hat noch etwas den Flair von einem Berlin, das noch viel mehr einem Dorf, als einen Metropolencharakter hatte. Der Berliner bewegte sich meist nur in seinem Kiez, eine der wenigen Ausßnahmen ist der Ku´damm, dessen Besuch dann auch immer etwas Besonderes ist. Hier treffen sie sich alle, egal aus welcher sozialen Schicht, egal von welchem Wohnort auf der Erde.

Abgleich als eigene Einordnung in die Gesellschaft…

Einordnung in die Gesellschaft am Kurfürstendamm @ David Glaser

Einordnung in die Gesellschaft @ David Glaser

Am Ku´damm trifft man auf ganz unterschiedliche Menschen, welcher vergleichbar ist mit einem “Dorfplatz”. Der Ku´Damm bietet damit das, was kein Shoppingcenter bieten kann: Einen Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft – Vom Bentley Fahrer bis zum Obdachlosen.

“Sehen und gesehen werden lautet hier das Motto.”

Für den Einzelnen geht es also eher um die Unterschiede zu den anderen Menschen und die damit verbundene, mögliche Einordnung des Eigenen. Das “flanieren” bietet die Gelegenheit sich seiner selbst im Abgleich mit den anderen bewusst zu werden und sich zu präsentieren. Im Jahre 1542 wurde der Kurfürstendamm als Reitweg für den Kurfürsten Joachim II angelegt. Heute nutzt nicht die gehobene Gesellschaft die Straße als Lauf- und damit Präsentationssteg, sondern wir alle. Der Flair des Besonderen, des Kurfürsten ist ein Stück weit erhalten geblieben, wenn man genauer hinschaut.

… und mögliche Verwandlungsoptionen

Mode am Kurfürstendamm @ David Glaser

Mode am Kurfürstendamm @ David Glaser

Desweiteren bietet sich die Möglichkeit sich über die Einordnung hinaus weiterzuentwickeln: Die Vitrinen auf der Straße mit den einzelnen Kleidungsstücken oder anderen Konsumgütern, stellen sich in den Gehweg der Passanten, sie zeigen einen möglichen hochstilisierten Selbstentwurf – Eine mögliche Verwandlungsoption des Eigenen aus der Masse/ Uniformität heraus.

Dies zeigt sich auch in dem Aufbau der Straße: Während es draußen auf dem Gehweg gedrängt, hektisch und schmutzig ist, gibt es strahlende “Modewelten hinter den Schaufenstern, aber auf der Straße ist es doch nicht so prächtig”.

Dies erklärt auch, weshalb der Großteil der Geschäfte Mode anbietet.
Kleidung ist ein starker Gegenstand für die Identitätsfindung und -definiton. In der Gemeinschaft die über den Ku´Damm streift kommt die Frage auf – wo stehe ich hier? Gleichzeitig bietet uns dieses Gemeinschaft auch die Antwortmöglichkeit darauf, da wir uns im Vergleich zu den Anderen selbst einordnen können.

Den Ku´Damm nutzen also so viele Leute für das Kaufen von neuer Kleidung, da die Verfassung und die Fragen die auf der Straße aufkommen mit der Entscheidung für ein Kleidungsstück für den Einzelnen sehr gut gelöst werden können.

Vielen Dank für eure Erlebensberichte!

Wir möchten hiermit den Kommentatoren „A“, „susan hinterding“, „Ku-Fürstin“, „Jola“ und Dieter Schneider für die Schilderung ihres Erlebens bezüglich des Kurfürstendamms danken =). Ohne euch wäre dieser Artikel nicht in der Form möglich gewesen.

Viele Grüße und ein fantastisches Wochenende!
Frederic & David

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