Die Psychologie des Joggens

Selbstregulation in einer Kultur des Überangebots

Die Psychologie des Joggens

Jogging Extase – Mit der Umwelt eins werden

Die Voraussetzung zum Joggen: Kondition

Um eine „ordentliche Runde“ Joggen zu erleben, muss ich mich in eine bestimmte Verfassung bringen. Für unseren Körper heißt das, dass ich als Jogging Anfänger oft einige Wochen brauche, um selbigen so zu trainieren, sodass ich ein paar Kilometer mühelos laufen kann. Darüber hinaus muss man oft bestimmte Rituale oder Regeln befolgen, damit man überhaupt joggen kann: Das fängt bei Einigen mit einem genauen Trainingsplan und einer speziellen Ernährung an und hört bei anderen mit einem tagelangen, vorherigen Kommitment im Sinne von „Ich gehe jetzt joggen“ an Freunde und Kollegen auf.

Monotonie vs. übersinnliche Erfahrungen

Auch beim Joggen an sich folgen wir einem bestimmten Rythmus, einer sehr klaren Ordnung von Bewegungsabläufen. Man begibt sich in eine Monotonie, welche sich dann entweder in Langeweile oder als Herausforderung mit dieser auszukommen ausdrücken kann. Diese Monotonie provoziert auf der Gegenseite manchmal tranceartige Zustände: Man hat das Gefühl zu schweben, das Joggen wird zum Automatismus, vorher Unbewusstes rückt in Form von Gedanken in unser Blickfeld, jeglicher Schmerz hebt sich auf und wir haben das Gefühl eins mit uns und der Umwelt zu sein. Das Joggen wird zur Meditation im Tun.

„Ich sehe mich aus der Vogelperspektive.“  

Joggen als Selbstregulation und Selbsttherapeutikum

Gestern Abend bin ich auf eine witzige, Kehrtwende in der Geschichte des Laufens oder Joggens gestoßen:

„In der Steinzeit lief man dem Essen hinterher, heutzutage läuft man sich das Essen weg.“

Wo früher zu wenig Nahrung vorhanden war und man der Nahrung wortwörtlich hinter her laufen musste, müssen wir uns heute das Übermaß an Nahrung welches sich in überschüssigen Pfunden bemerkbar macht, weglaufen.

Joggen wird nicht nur oft im Zusammenhang mit Diäten empfohlen, es kann auch gleichzeitig Stress entgegen wirken – Dem Zuviel im Alltag. Endlich wieder „den Kopf freibekommen“. Auf der anderen Seite heißt Joggen auch: Sich selber in Bewegung setzen und vom Joggen in Bewegung gesetzt werden. Man bringt sich soweit in Bewegung, dass man sich nach dem Joggen an einem ruhigen Tag sagen kann: „Für heute habe ich genug geschafft“ – Ich habe dem Zuwenig entgegen gewirkt. Es findet also eine Selbstregulation in beide Richtungen (zu viel oder zu wenig) statt, je nachdem, wo man gerade im Alltag steht. So hat man oft nach dem Joggen eine ganz andere Stimmung als vorher. Wir fangen an zu joggen um das zu viel oder zu wenig im eigenen Alltag zu regulieren.

Der Kampf mit dem inneren Schweinehund

„Der berühmt berüchtigte innere Schweinhund ist nicht nur Unlust oder Unvermögen. Er hat auch seine Funktion, denn er stemmt sich als widerständige Gefühlslage gegen die stimmungsverändernde Wirkung des Laufens und vertritt die Meinung, dass der aktuelle Zustand womöglich der bessere oder attraktivere ist.“ Prof. Dr. Andreas Marlovits, Sportpsychologe

Joggen als Umgang mit dem Überangebot in unserer Kultur

Die Selbstregulation ist das, was an dem Joggen für uns so gesund ist. Sie ist DIE Lösung, welche uns in einer Zeit von maßlosen Angeboten und Reizen wieder zu uns selber führt – Wir sehen uns im Alltag in unserer Kultur oft einem Überangebot gegenüber, welches geradezu nach Regulation schreit.

3 Kommentare zu “Die Psychologie des Joggens
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    1. Vielen Dank dir Ronja und schön, dass dir die Ergebnisse gefallen! Ohne dich wäre das Ergebnis wohl nicht in der Form zu Stande gekommen. 😉

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