Die Psychologie des Brandenburger Tors

Berlins größtes Sackgassenschild?

Die Mauer am Brandenburger Tor Anfang Dezember 1989 @ wikimedia

Die Mauer am Brandenburger Tor Anfang Dezember 1989 @ wikimedia

Zwischen herausragender Symbolik und dem Einheitsgedanken

“Besonders erfreut war Carl Gotthard Langhans, der Erbauer des Brandenburger Tors, über die Wahl des Standortes. Seiner Meinung nach konnte es keinen besseren geben: in Bezug auf das architektonische Stadtbild, aber auch für sich genommen.” Quelle: deutschlanddokumente.de

Das Brandenburger Tor ist wohl eines der stärksten Zeichen für die deutsche Wiedervereinigung, jeder von uns kennt die Bilder aus dem November 1989. Hunderte Menschen sitzen auf der Mauer oder bearbeiten sie mit Allem was sich zum Einreißen eignet.

Es sind imposante Bilder (Zur Tagesschau vom 10. November 1989), die eine starke Aufbruchstimmung zeigen. Damals stand das Brandenburger Tor ziemlich allein auf weiter Flur, Es war ein Tor ins Nichts, auf der Ostseite und somit im Sperrgebiet, ringsherum kein einziges Haus weit und breit.

Seit dem hat sich viel getan, das Brandenburger Tor wird mittlerweile von Häuserflanken gesäumt. Auffällig ist daran auf den ersten Blick erst einmal nichts, die früheren Lücken in der Stadt sind wieder zugewachsen. Doch bei genauerem Hinsehen fällt etwas ins Auge: Das Tor stellt in beide richtungen eine Blockade dar, die die Stadt auf einer sich sonst fast geradlinig von West nach Ost ziehenden Straße genau an der Stelle unterbricht, an der früher die Stadt geteilt war.

Zwischen Wiedervereinigung und -teilung

Das Zeichen für die Wiedervereinigung ist durch die baulichen Maßnahmen gleichzeitig eine der letzten Teilungen der Stadt. Sicherlich kann als Argument angeführt werden, dass die Bebauung früher schon nur auf der östlichen Seite vorhanden war, jedoch erfüllte das Tor damals noch seine Funktion als Tor und ließ den Verkehr passieren. Heute ragt es, egal ob aus Ost oder West schon von weitem sichtbar, wie ein großes Sackgassenschild in den Himmel und signalisiert dem Autofahrer das Ende der Straße.

Diese Eigenschaften einer festen, mauerartigen Straßenblockade sind wir uns zwar nicht bewusst, trotzdem beeinflusst sie unseren Umgang mit dem Tor sehr stark. So wird die Straße für die Fanmeile auf der Westseite genutzt, und mit dem Tor im Rücken eine große Bühne errichtet. Das Tor wird nicht als passierbar wahrgenommen sonst wäre die Bühne vermutlich an einer anderen Stelle positioniert worden.

Dies bedeutet nicht, dass wir das Tor als Menschen nicht durchqueren können, im Gegenteil, das machen im Sommer ja täglich Hunderte von Touristen. Diese besuchen das Tor jedoch auch wegen seiner Wirkung, die wie eine massive Wand, die Stadt teilt. Unbewusst wurde durch die Neubebauung und die damit verbundene Verstärkung des Sackgassencharakters, das Gefühl der Teilung, genau an der Stelle, die berühmt ist für den Mauerfall, konserviert.

Beste Grüße und ein schönes Wochenende,
Frederic & David

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