Die Psychologie der Ampel

Selbstverortung und paradoxer Balanceakt

Grüne Ampelphase in Berlin

Grüne Ampelphase in Berlin

Ampeln verordnen uns zu einem bestimmten Verhalten: Rot – Stehen bleiben, Grün – Weiter bewegen. Diese fremde Gesetzesordnung versteht sich meistens gar nicht mit der eigenen Tagesordnung und man sucht „Schlupflöcher“, um die roten Ampeln zu umgehen. Selbst wenn wir stehen bleiben, versuchen wir doch meistens, die Zeit irgendwie mit dem Handy, dem Rauchen oder dem wild auf den Knopf hämmern und dadurch mit der eigenen Ordnung zu überbrücken.

 „Sie lassen sich nicht durch Zwangspausen aus dem [eigenen] Konzept bringen.“

Paradoxer Balanceakt

Das Paradoxe an der Situation an der Ampel ist, dass wir auf der einen Seite versuchen, der fremden Taktstruktur der Ampel aus dem Weg zu gehen und auf der anderen Seite die Ampeltaktung brauchen, um nicht mit Fremden zu kollidieren.

Es ist also ein ewiger Balanceakt zwischen der eigenen Alltagsstruktur und der fremden Struktur: Wenn ich mich komplett auf meine eigene Alltagsstruktur fixiere und über eine rote Ampel laufe oder fahre, gehe ich das Risiko ein, mögliche tödlichen Konsequenzen dafür tragen zu müssen. Auf der anderen Seite kollidieren beim Warten an der Ampel die eigenen Tagesstrukturen mit der fremden Struktur. Dadurch, dass man aus dem eigenen Ablauf geworfen wird, rückt dieser ins Bewusstsein. Durch diese Verrückung werden einem die Formen und Begrenzungen, die der eigene Tageslauf aufweist, bewusster.

Selbstverortung: Wo stehe ich im Alltag?

Mit der Kollision der eigenen Alltagsstruktur mit dem Ampeltakt stößt uns die rote Ampel auch immer auf die Frage: Was muss ich heute eigentlich alles noch machen? Wie ist meine Organisation für den Tag? Die starre Verordnung durch die Ampel wirft uns Fragen zu der eigenen Ordnung im Alltag auf. Die rote Ampel zeigt uns im Zeitstress schmerzlich, dass wir zu langsam für unseren eigenen, schnellen Alltag sind und dass wir weiter kommen müssen.

„Sie macht nur offensichtlich, wie mies mein Zeitmanagement ist und dass die Welt eben nicht auf mich wartet.“

Je flexibler die eigene Tagesstruktur ist, desto weniger stört man sich an der fremden, starren Verordnung der Ampeln.

Welche Möglichkeiten gibt es also die Situation angenehmer zu gestalten? Beispielsweise haben zwei Studenten aus Hildesheim das Spiel “Street Pong” entwickelt, welches das Spiel Pong über das Ampeltouchpad mit der Person gegenüber, in Rotphasen spielbar macht. Interessanterweise geht es bei dem Spiel Street Pong genau darum, “Schlupflöcher” beim fremden Spieler zu finden. Ihr könnt euch jetzt die Frage stellen, was das mit dem Gegenstand der Ampel zu tun hat und warum die Videos dazu mittlerweile über 1 Millionen Mal bei Youtube angesehen worden sind.

Street Pong: Das Ampelspiel

An dieser Stelle möchten wir Isabell für die Information zu dem Spiel Street Pong danken.
Ebenfalls bedanken wir uns bei den fleißigen Kommentatoren, die uns die Analyse erst möglich gemacht haben!

1 Kommentar zu “Die Psychologie der Ampel
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