Die Psychologie des Alexanderplatz

Das Herz von Berlin?

Futuristische Version der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz aus der Graphic Novel “Hemispheres” @ Sascha Grusche, Christopher de la Garza & Simon Pape

Futuristische Version der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz aus der Graphic Novel “Hemispheres” @ Sascha Grusche, Christopher de la Garza & Simon Pape

Vorwort von Christopher de la Garza

Christopher de la Garza

Christopher de la Garza

“Alexanderplatz, Innenstadt. Dämmerung, Zwielicht. Die Luft ist dick. Smog liegt in der Luft. Es ist laut, hektisch und kalt. Die Menschen sind auf dem Sprung, haben keine Zeit. Viele, die für einen Moment innehalten, rauchen Zigaretten oder trinken Kaffee. Pushen sich hoch, halten sich wach. Andere sind mit sich selbst beschäftigt, lenken sich ab, tauchen in fremde Welten ein, entschwinden in ihre Eigene. Smartphones und Gadgets sorgen für die individuelle Ablenkung. Geklebte, digitale Werbeflächen, Leuchtreklamen für die Massen. Langeweile ist ein Tabu.” Auszug aus dem Drehbuch zu Hemispheres, Christopher de la Garza

Der Alexanderplatz: Eine Welt für sich

Frederic Gogoll

Frederic Gogoll

Der Alexanderplatz, wird als “eine Welt für sich beschrieben” wie eine Stadt in der Stadt, besteht er im Kleinen aus allem, was eine Großsstadt ausmacht. So gibt es mit der Tram, dem Bus, der S-Bahn und der U-Bahn an diesem Ort eine Vereinigung von allen, für die Stadt relevanten Verkehrsmitteln. Auch in Sachen Versorgung, reicht das Angebot von Kleidung bis zu Lebensmitteln und deckt damit den gesamten Bedarf des Großstädters an einem Ort ab. Es wirkt als würde alles am Alexanderplatz zusammengeführt und verdichtet werden.

Für viele Menschen ist der Alexanderplatz mehr als EINE eigene Welt, es ist IHRE Lebenswelt. Göran Gnaudschun fotografiert und interviewt seit 2010 Menschen, deren Wohnzimmer der Alexanderplatz geworden ist. Menschen, die aus dem Regelwerk unserer Gesellschaft heraus fallen, deren Leben aus dem Gleis geraten ist. In diesem Februar sollen die Portraits und Interviews als Buch mit dem Namen “Alexanderplatz” erscheinen.

Interview mit Göran Gnaudschun im Deutschlandfunk

Der Alexanderplatz wird oft als pulsierend beschrieben, es gibt einen treibenden Rhythmus der einen gewollt oder ungewollt antreibt. Spannend, dass gerade an dieser Stelle eine übergroße Weltzeituhr den Takt der ganzen Welt darstellt, oder?

Das Herz von Berlin

Anziehende Geschwindigkeit

Herz von Berlin - Hemispheres

„Grey Out“ @ Hemispheres

Nicht umsonst beschreiben viele Stadtführer den Platz als Herz von Berlin, Bahn und Buslinien führen wie Venen zu ihm hin, am Alexanderplatz nimmt die Menschendichte zu, das Tempo wird schneller, alle steigen aus und um. Der Platz ist ebenso zum Verweilen, in dieser eigenen Welt, wie ein Platz zum Verteilen, man trifft sich dort, um wo anders hinzugehen – Von hier aus gibt es die Möglichkeit in jede Himmelsrichtung weiter zu kommen, und das sehr schnell. Diesen Druck der Geschwindigkeit merkt man dann auch auf den verhältnissmäßig langen Umsteigewegen in den U-Bahn-Tunneln, S-Bahnbögen oder quer über den Platz zum Bus oder der Tram. Das Anziehende beim Alexanderplatz ist genau diese Geschwindigkeit, dieses macht ihn trotz aller Hektik zu einem so beliebten Umsteige-Punkt.

Abstoßende Anonymität

Unterschiedliche Menschen in Berlin - Hemispheres

„Anonyme Menschenmasse“ @ Hemispheres

Der Alexanderplatz ist “ein Ort voller Anonymität”. “Voll”, weil er voller, ganz unterschiedlicher Menschen ist, wodurch Anonymität entsteht. Der Platz wirkt grau und kühl, die Menschenmassen die sich täglich am Alex bewegen, lassen wenig Platz für Intimität oder Individualität, dies löst beklemmende Gefühle und merkwürdige Begegnungen aus. Es entsteht ein Verlangen danach, diesen Ort möglichst schnell wieder verlassen zu können.

“Ein Mitte-Viertzigjähriger Bauarbeiter, der entweder aus Stolz oder aus Mangel an Möglichkeiten, seine robuste weiße Arbeitshose nicht wechseln konnte, raunte mir in peinlich lauter Stimme von der entgegensetzten Rolltreppe zu: ” Fotos machn, wa? …” Auszug aus den Erlebensberichten

Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei Christopher de la Garza, der uns die Bilder von der Grafic Novel „Hemispheres“ (Erscheinungsdatum Juli 2014) zur Verfügung gestellt hat.

Wie gefallen euch die Ergebnisse? Was verbindet ihr mit dem Alexanderplatz?

Liebe Grüße und ein entspanntes Wochenende :),
Frederic & David

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